Elektroauto oder Verbrenner: Was ist über die Jahre günstiger?

Fachlich geprüft am 14.10.2026 · Redaktion
Die Frage nach dem günstigeren Antrieb lässt sich nicht pauschal beantworten. Elektroautos kosten in der Anschaffung oft mehr, sind im Betrieb aber günstiger. Ob sich der Aufpreis rechnet, hängt davon ab, wie viel du fährst, wo du lädst und wie lange du das Auto behältst. Dieser Ratgeber geht die Kostenblöcke einzeln durch und zeigt, wie du deinen persönlichen Gleichstand findest.
Die vier großen Kostenblöcke
Über die Haltedauer setzen sich die Kosten eines Autos aus vier Blöcken zusammen: Wertverlust, Energie, feste Kosten wie Steuer und Versicherung sowie Wartung und Reparaturen. Bei Neuwagen ist der Wertverlust fast immer der größte Posten, gefolgt von Energie. Finanzierungszinsen kommen hinzu, wenn du nicht bar zahlst; sie hängen vor allem vom Kaufpreis ab.
Ein fairer Vergleich stellt zwei Autos gegenüber, die du dir realistisch kaufen würdest: gleiche Größe, ähnliche Ausstattung. Der Vergleich eines großen Elektro-SUV mit einem Kleinwagen-Benziner sagt wenig.
Wertverlust: der größte Unsicherheitsfaktor
Wie viel ein Auto nach fünf oder sechs Jahren noch wert ist, weiß niemand sicher. Bei Elektroautos haben Preissenkungen bei Neuwagen und schnelle technische Fortschritte in den vergangenen Jahren zu teils hohem Wertverlust geführt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos, und Batteriezertifikate schaffen mehr Vertrauen.
Weil modellgenaue Restwertprognosen nicht frei verfügbar sind, arbeiten unsere Rechner mit offen gelegten Annahmen. Im Vergleichsrechner ist für das Elektroauto ein Restwert von 40 Prozent und für den Verbrenner von 45 Prozent nach sechs Jahren vorbelegt. Ändere diese Werte, wenn du andere Erwartungen hast, und schau, wie stark sich das Ergebnis verschiebt.
Energie: wo das Elektroauto aufholt
Ein Elektroauto mit 17 kWh Verbrauch je 100 Kilometer kostet beim Haushaltsstrompreis von 36,2 Cent je kWh rund 6,15 Euro je 100 Kilometer. Ein Benziner mit 6,5 Litern Verbrauch braucht beim aktuellen Super-Preis von 2,21 Euro je Liter etwa 14,40 Euro. Bei 15.000 Kilometern im Jahr sind das gut 1.200 Euro Unterschied, zuhause geladen.
Der Vorteil schrumpft, wenn du viel öffentlich lädst. Am Schnelllader ohne Vertrag zahlst du laut ADAC-Beispiel auch 84 Cent je kWh; dann kosten 100 Kilometer gut 14 Euro und damit fast so viel wie Benzin. Der Ladekosten-Rechner zeigt, wie dein persönlicher Lademix den Preis beeinflusst.
Steuer, Versicherung, Wartung
Reine Elektroautos sind bei Erstzulassung bis Ende 2030 von der Kfz-Steuer befreit, längstens bis Ende 2035. Ein Benziner mit 1,5 Litern Hubraum und 128 Gramm CO₂ je Kilometer kostet nach § 9 KraftStG 98 Euro im Jahr. Bei Versicherung und Wartung gibt es keine pauschale Antwort: Elektroautos haben weniger Verschleißteile wie Ölwechsel oder Auspuff, Reifen können durch das höhere Gewicht aber schneller verschleißen.
Versicherungsbeiträge hängen stark von Modell, Region und Schadenfreiheitsklasse ab. Hol dir für beide Autos ein Angebot und trag die Werte im Rechner ein.
Der Gleichstand: ab wann sich das Elektroauto rechnet
Weil das Elektroauto je Kilometer günstiger fährt, aber oft teurer in der Anschaffung ist, gibt es eine Fahrleistung, ab der beide gleich viel kosten. Unter dieser Schwelle ist der Verbrenner günstiger, darüber das Elektroauto. Der Rechner gibt diese Schwelle als Jahreskilometer aus.
Mit den Standardwerten des Rechners, also 38.000 Euro für das Elektroauto, 30.000 Euro für den Verbrenner, sechs Jahren und Laden zuhause, liegt das Elektroauto bereits bei durchschnittlicher Fahrleistung vorn. Die Tabelle mit anderen Fahrleistungen zeigt, wie sich das Ergebnis für Wenig- und Vielfahrer verschiebt.
Was nicht in Euro auftaucht
Ein Kostenvergleich bildet nicht alles ab. Elektroautos fahren leise und ruckfrei, lassen sich zuhause bequem laden und ersparen den Weg zur Tankstelle. Auf der anderen Seite brauchen Langstrecken mehr Planung, und ohne eigene Lademöglichkeit wird der Alltag aufwendiger.
Wer keine Wallbox installieren kann und auf öffentliche Säulen angewiesen ist, sollte besonders genau rechnen. Ein günstiger Ladetarif mit Grundgebühr kann den Preis je kWh deutlich senken, wenn regelmäßig geladen wird.
Beispielrechnung über sechs Jahre
Ein Elektroauto für 38.000 Euro und ein Benziner für 30.000 Euro, beide sechs Jahre und 15.000 Kilometer im Jahr gefahren. Nimmt man 40 Prozent Restwert beim Elektroauto und 45 Prozent beim Benziner an, verliert das Elektroauto 22.800 Euro an Wert, der Benziner 16.500 Euro. Das Elektroauto liegt damit 6.300 Euro hinten.
Bei der Energie dreht sich das Bild. Mit 17 kWh und 36,2 Cent je kWh kostet Strom im Jahr rund 920 Euro, Benzin mit 6,5 Litern und 2,21 Euro je Liter etwa 2.160 Euro. Über sechs Jahre spart das Elektroauto gut 7.400 Euro. Dazu kommt die Kfz-Steuer von 98 Euro im Jahr beim Benziner. Unterm Strich liegt das Elektroauto knapp vorn, mit Versicherung und Wartung kann sich das Ergebnis in beide Richtungen verschieben.
Wenn du überwiegend unterwegs lädst
Lädt jemand fast ausschließlich öffentlich, steigt der Strompreis schnell auf 50 bis 80 Cent je kWh. Bei 60 Cent kostet Strom im Beispiel rund 1.530 Euro im Jahr. Der Abstand zum Benziner schrumpft auf etwa 600 Euro jährlich, und der höhere Wertverlust wird über sechs Jahre nicht mehr ausgeglichen.
Die Tabelle Bei anderem Strompreis im Rechner zeigt diesen Effekt auf einen Blick. Wer keine eigene Lademöglichkeit hat, sollte sie unbedingt mit seinem realistischen Lademix durchspielen.
Dienstwagen und Firmenwagen
Für Dienstwagenfahrer sieht die Rechnung anders aus, weil der Arbeitgeber die Anschaffung trägt und der Fahrer den geldwerten Vorteil versteuert. Für reine Elektroautos wird der Bruttolistenpreis nur zu einem Viertel angesetzt, wenn er die Grenze nicht übersteigt; für Anschaffungen nach dem 30. Juni 2025 liegt sie bei 100.000 Euro. Das senkt die monatliche Steuerlast im Vergleich zum Verbrenner erheblich.
Der Dienstwagen-Rechner zeigt den Unterschied für deinen Listenpreis und deinen Steuersatz.
Umwelt und Klima
Viele Käufer interessiert neben den Kosten auch die Klimabilanz. Bei der Herstellung eines Elektroautos entstehen durch den Akku zunächst mehr Treibhausgase als bei einem Verbrenner. Im Betrieb holt das Elektroauto diesen Rucksack wieder auf, umso schneller, je mehr erneuerbarer Strom im Netz und im eigenen Tarif steckt.
Wer Ökostrom bezieht oder mit Solarstrom vom eigenen Dach lädt, verbessert die Bilanz zusätzlich. Diese Effekte tauchen in einer reinen Kostenrechnung nicht auf, können für die Entscheidung aber wichtig sein.
So gehst du beim Vergleich vor
Wähle zuerst zwei konkrete Modelle mit Preis. Trag ihre Grundpreise oder Angebotspreise, den WLTP-Verbrauch plus etwa zehn Prozent Ladeverluste und deine Fahrleistung in den Rechner ein. Ergänze Versicherung und Wartung aus echten Angeboten. Prüfe dann mit den Tabellen, wie empfindlich das Ergebnis auf Strompreis und Kilometer reagiert.
Auf jeder unserer Modellseiten führt ein Link direkt in den Vergleichsrechner, vorbelegt mit Preis und Verbrauch des Modells.
Selbst rechnen
Mit dem Rechner Elektroauto gegen Verbrenner rechnest du deinen Fall mit offen gelegten Annahmen nach. Alle Werkzeuge findest du in der Rechner-Übersicht, die Grundpreise aller Modelle in der Preisliste.
Häufige Fragen
Ist ein Elektroauto günstiger als ein Benziner?
Über die Haltedauer häufig ja, wenn du überwiegend zuhause lädst und mindestens durchschnittlich fährst. Entscheidend sind Aufpreis beim Kauf und Restwert.
Welche Rolle spielt der Strompreis?
Eine große. Zuhause kosten 100 Kilometer bei 17 kWh rund sechs Euro, am Schnelllader ad hoc gut das Doppelte.
Muss ich für ein Elektroauto Kfz-Steuer zahlen?
Bei Erstzulassung bis Ende 2030 nicht, für bis zu zehn Jahre und längstens bis 31. Dezember 2035.
Sind Elektroautos in der Wartung günstiger?
Meist ja, weil Ölwechsel, Zündkerzen und Abgasanlage entfallen. Maßgeblich ist der Serviceplan des Herstellers; Reifen können schneller verschleißen.
Ab wie vielen Kilometern lohnt sich ein Elektroauto?
Das zeigt die Zeile Gleichstand im Rechner. Sie hängt vor allem vom Aufpreis beim Kauf, vom Restwert und vom Strompreis ab.
Sind Finanzierungszinsen eingerechnet?
Nein. Bei einem höheren Kaufpreis fallen beim Elektroauto entsprechend höhere Zinsen an, wenn du finanzierst.
Grundpreise laut Quelle und Datum, ohne Rabatte, Überführung und Zulassung. Keine Kauf-, Steuer- oder Rechtsberatung; verbindlich ist das Angebot des Händlers.
Redaktion
Recherchiert von der Redaktion Elektroauto-Preise.de, zuletzt geprüft am 14.10.2026. Zahlen belegen wir mit Quelle und Stand, Beispiele rechnen wir mit denselben Formeln wie die Rechner. Keine Kauf-, Steuer- oder Rechtsberatung. Fehler gefunden? Schreib uns.